Ein Tag am «Packtisch» [1-5]

– Wühlen zwischen Channel Puder und getragenen Socken

Hier und in den vier folgenden Blogbeiträgen, erfahrt ihr mehr über die witzigsten, skurrilsten und ekligsten Dinge, welche wir tagtäglich am Packtisch auspacken. Ich bin Jasmin, Mitarbeiterin im fundsachenverkauf.ch, eine fleissige Auspackbiene und neuerdings Bloggerin.

Ach ja, vielleicht muss ich kurz erklären. Der «Packtisch»? Der Packtisch ist das Herzstück von fundsachenverkauf.ch, die erste Anlaufstelle von Fundsachen. Hier werden alle Fundsachen ausgepackt, kontrolliert, Preise gemacht oder den Spezialistinnen und Spezialisten weiter gereicht.

Auch die Grobsortierung findet hier statt:

  • Sammelsachen wie Taschentücher, Schreibewaren, Papier, Kondome, Brillen, Modeschmuck, etc. in spezielle Cuvetten
  • Technische Artikel zur polizeilichen Kontrolle und zum Daten löschen und zum Testen an die Technikerinnen und Techniker
  • Hochwertige Kleider zum Recherchieren, zur Reinigung oder zum Waschen in spezielle Cuvette
  • Modeaccessoires zur Echtheits- und Wertprüfung zum Spezialisten
  • Sportartikel zum Testen und zur Wertprüfung zum Spezialisten
  • Schmuck und Uhren zu Echtheits- und Wertprüfung und zur Zertifizierung zu den Spezialisten
  • Altkleidersammlung für die Recyclingfirma Solitex
  • Taschen, Schuhe, Kleider für Export nach Afrika
  • Artikel für Auktionen oder für Fixpreise zum ricardo-Team
  • Artikel für die Möbelabteilung (dies sind Waren aus Logistikzentren)
  • Waren für Abfall und Recycling in die speziellen Lagerorten
  • Fundsachen für öffentliche Versteigerungen zum Auktionator
  • Rezeptpflichtige Arzneien für den Export an einen Arzt
  • Etc. etc. etc.

Foto SBB-Palette

Natur der Sache

Ein Tag am Packtisch gewährt einem viele, teils sehr private, Einblicke in das Leben der Leute, welche ihr Gepäck verloren haben. Zum einen mache ich dabei bloss meinen Job, da ich aber kein emotionsloser Roboter, sondern ein fühlender Mensch bin, mache ich mir auch gewisse Gedanken dazu. Wir Menschen sind von Grund auf neugierig, der eine oder andere von euch, würde wenn man ganz ehrlich zu sich ist, sicher auch gerne wissen was sich alles für spannende Dinge in den Gepäckstücken verbergen! Da wir nicht wissen, wer genau hinter dem Gepäckstück steckt und ich eine blühende Fantasie habe, reime ich mir manchmal automatisch, aus den Gegenständen welche ich vor mir habe, irgendwelche Geschichten zusammen.

«Ich bin kein emotionsloser Roboter»

Einige von euch werden sich vielleicht fragen, ob es nicht verwerflich ist, so skrupellos im Leben anderer Leute zu wühlen? Ja, möglicherweise kann man das so sehen. Ich fühle mich auch nicht immer so ganz wohl dabei, wenn ich Einblicke in Dinge bekomme, welche nicht für meine Augen bestimmt sind. Man kann das ganze aber auch von der positiven Seite sehen. Ohne unsere Arbeit, würde die Ware nach der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist entsorgt werden. So können die Fundgegenstände immerhin als secondhand Artikel vielen weiteren Leuten eine Freude bereiten.

Der Koffer des Grauens vs. die hässlichste Bluse der Welt

Ich freue mich immer sehr darauf, wenn ich meine Schicht am Packtisch verbringen kann, da man nie weiss was einem erwartet. In den über zwei Jahren, in denen ich nun hier arbeite, habe ich bereits etliche Gepäckstücke bearbeitet und dabei schon einiges gesehen. Ich habe schon viele tolle Dinge entdeckt aber auch einige grenzwertige Erfahrungen gemacht.
Ein starker Magen ist bei uns definitiv von Vorteil, denn leider riecht nicht alles nach frisch gewaschener Wäsche. Wir werden mit wahnsinnig vielen Gerüchen konfrontiert, der eine Koffer kann nach teurem Parfüm riechen, während im Nächsten nasse Wäsche war, welche bereits Schimmel gebildet hat. Den einen Koffer, welcher Fleisch enthalten hatte und 3 Monate im Fundbüro gelagert wurde, bereitet mir heute noch Albträume!Ein Becher mit gammligem Eiweissshake ist dagegen schon fast eine Wohltat.

Foto Palette

Richtig witzig wird es, wenn man ein Kleidungstück auspackt, bei welchem man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass jemand so etwas freiwillig trägt ohne Schmerzensgeld dafür zu erhalten. Klar Geschmäcker sind verschieden, aber bei einer wild gemusterten Bluse, welche sogar jegliche Teile von «Desigual» dezent aussehen lässt, habe ich wirklich Fragen! Bei solchen Teilen würde ich manchmal sehr gerne wissen, welcher Schräge Vogel der Besitzer war, denn möglicherweise sah die hässlichste Bluse der Welt richtig schick an ihr aus! Es ist schon öfters vorgekommen, dass ich Kleidungsstücke beschriftet habe, bei welchen ich dachte, dieses Teil ist so hässlich das will bestimmt keiner… Bis ich dann am nächsten Tag an der Kasse bin und genau dieses Kleidungsstück, mit einem kleinen Schmunzeln verkaufe.

Also kreativ seid ihr…

Natürlich gibt es neben den nicht so schönen Erlebnissen auch viele schöne Dinge zu entdecken! Ich staune teils immer wieder darüber, wie kreativ gewisse Leute beim Zeichnen sind, oder was für Ideen andere beim Basteln kommen. Letztens habe ich ein selbst gebautes Insekten Hotel ausgepackt, was ich total cool fand, unsere Kundschaft wohl weniger, da es immer noch im Laden steht. Ich finde im Allgemeinen selbst gemalte und gebastelte Dinge enorm spannend, das liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich selbst gerne kreativ bin. Andere freuen sich dafür über teure Markentaschen oder Klamotten, mit welchen ich persönlich nichts damit anfangen kann!

«selbst gebautes Insekten Hotel»

Es gab schon Momente, in denen ich nicht wusste, ob ich lachen oder weinen soll. Als ich ein wunderschön eingepacktes Geschenk ausgepackt habe und darin Prix Garantie Servietten zum Vorschein kamen, habe ich mich kurz gefragt, ist es vielleicht besser, dass das hier gelandet ist und nicht verschenkt wurde? Eine weitere skurrile Situation war es, als ich eine Metalldose öffnete, in welcher sich abgeknipste Fingernägel und ausgefallene Zähne befunden haben. Für mich sind solche Dinge völlig unverständlich, aber natürlich ist das alles Ansichtssache und mir ist durchaus bewusst, dass vielleicht genau diese Dinge für andere grossen Wert haben.
Immer wieder lustig ist es, wenn man Dinge hat, bei welchem man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, was das sein soll. Bis man dann irgendwann realisiert, dass man ein möglicherweise benutztes Sextoy, in den blossen Händen hält. Einmal hatte ich einen rosaroten Behälter in der Hand und weiss noch genau, wie ich mich gefragte habe, was das für ein komischer und schwerer Becher ist. Als mich beim Öffnen des Deckels, das Silikon Geschlechtsteil einer Frau anlächelte war dann der Fall auch für mich klar.

Langweilig wird einem beim Auspacken definitiv nie!

Im nächsten Beitrag vom «Packtisch» erfährst du, «auf was Frau nicht verzichten kann und was Mann schon immer darüber wissen wollte».


Ein Beitrag von Jasmin Hanschitz